Die Kurzantwort
Im barrierearmen Bad sollte der Waschtisch im Sitzen nutzbar sein, also unterfahrbar und in passender Höhe. Stauraum gehört in Griffhöhe, Griffe sollen sich leicht fassen lassen. Die Pflegekasse kann nach § 40 Abs. 4 SGB XI Zuschüsse von bis zu 4 180 Euro je Maßnahme zur Verbesserung des Wohnumfelds gewähren; sie entscheidet im Einzelfall.
Ein Bad, das im Alter, nach einem Unfall oder mit einer Behinderung gut funktioniert, beginnt oft bei den Möbeln. Ein Waschtisch, unter den man mit dem Rollstuhl oder auf einem Hocker fahren kann, Schubladen statt tiefer Fächer und Griffe, die sich auch mit wenig Kraft bedienen lassen, machen den Alltag leichter. Dieser Ratgeber zeigt, worauf Sie bei der Auswahl achten sollten, und was das Gesetz zum Zuschuss der Pflegekasse sagt. Für die genaue Planung lohnt sich die Beratung durch einen Fachbetrieb oder eine Wohnberatungsstelle.
Barrierefrei oder barrierearm?
Für das barrierefreie Bauen gibt es Normen. In Deutschland ist das die DIN 18040, die in fast allen Bundesländern großteils als technische Baubestimmung eingeführt ist (Barrierefreies Bauen); für Wohnungen gilt Teil 2, der im September 2011 die frühere DIN 18025 abgelöst hat (DIN 18025). Ein Bad, das alle Anforderungen der Norm erfüllt, ist im Bestand oft nur mit größerem Umbau erreichbar. Viele Haushalte entscheiden sich deshalb für ein barrierearmes Bad: Es übernimmt die wichtigsten Grundsätze, ohne jeden Wert der Norm einzuhalten. Möchten Sie ein Bad nach Norm planen, lassen Sie sich die Maße von einer Fachplanerin oder einem Fachbetrieb nennen.
Der unterfahrbare Waschtisch
Wer im Sitzen am Waschbecken steht, braucht Platz für die Knie. Ein klassischer Waschbeckenunterschrank, der bis zum Boden reicht, verhindert genau das. Im barrierearmen Bad kommen deshalb vor allem in Frage:
- ein wandhängendes Waschbecken ohne Unterschrank,
- ein Waschtisch mit flachem Unterschrank oder seitlichen Schränken, der unten frei bleibt,
- ein Waschtisch mit offener Ablage statt geschlossener Front.
Unter dem Becken stört häufig der Siphon. Die Wikipedia nennt für den Bereich für Menschen mit Behinderung einen Wandeinbau-Siphon, damit ein Rollstuhl unterfahren werden kann (Waschtisch). Ob sich ein solcher Siphon in Ihrem Bad einbauen lässt, hängt von der Lage des Abflusses ab; das prüft ein Sanitärfachbetrieb.
Die passende Höhe
Als übliche Einbauhöhe der Waschtisch-Oberkante nennt die Wikipedia etwa 83 bis 86 cm, mit dem Hinweis, dass sie im Privatbau je nach Körpergröße variiert (Waschtisch). Für Menschen, die im Sitzen am Becken sind, ist diese Höhe meist zu hoch. Ein hängender Waschtisch hat den Vorteil, dass Sie die Höhe beim Einbau frei festlegen können. Probieren Sie vorher mit einem Tisch oder Brett aus, welche Höhe im Sitzen und im Stehen angenehm ist, wenn mehrere Personen das Bad nutzen.
Achten Sie auch auf die Armatur: Ein langer Hebel lässt sich mit wenig Kraft und ohne festes Greifen bedienen. Er sollte vom Sitzplatz aus gut erreichbar sein.
Stauraum und Griffe in Reichweite
Was man täglich braucht, gehört dorthin, wo man es ohne Strecken und Bücken erreicht:
- Schubladen statt Türen: Sie lassen sich ganz herausziehen und zeigen den Inhalt von oben. Bei tiefen Fächern hinter Türen muss man sich hineinbeugen.
- Griffe statt Grifflos-Technik: Bügelgriffe lassen sich leicht fassen. Fronten mit Druckmechanik setzen Kraft und Zielgenauigkeit voraus, die nicht jeder hat.
- Hochschrank mit Fächern in mittlerer Höhe: Obere Fächer sind im Sitzen schwer erreichbar. Nutzen Sie sie für selten Gebrauchtes.
- Freie Bewegungsfläche: Möbel, die weit in den Raum ragen, engen Rollstuhl und Rollator ein. Prüfen Sie vor dem Kauf die Tiefe.
Haltegriffe und Stützgriffe gehören an tragfähige Wände und müssen sicher befestigt werden. Ein Handtuchhalter am Waschtisch ist kein Haltegriff und nicht für das Abstützen gedacht.
Was das Gesetz zum Zuschuss sagt
Grundlage für einen Zuschuss der Pflegeversicherung ist § 40 Abs. 4 des Elften Buches Sozialgesetzbuch (§ 40 SGB XI). Danach können die Pflegekassen „subsidiär finanzielle Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes des Pflegebedürftigen gewähren, beispielsweise für technische Hilfen im Haushalt“. Voraussetzung ist, dass dadurch im Einzelfall die häusliche Pflege ermöglicht oder erheblich erleichtert oder eine möglichst selbständige Lebensführung des Pflegebedürftigen wiederhergestellt wird.
Die Höhe ist begrenzt: Die Zuschüsse dürfen 4 180 Euro je Maßnahme nicht übersteigen. Leben mehrere Pflegebedürftige in einer gemeinsamen Wohnung, gilt der Betrag je pflegebedürftiger Person für Maßnahmen am gemeinsamen Wohnumfeld; der Gesamtbetrag je Maßnahme ist auf 16 720 Euro begrenzt und wird bei mehr als vier Anspruchsberechtigten anteilig auf deren Versicherungsträger aufgeteilt (§ 40 SGB XI).
Wichtig ist zweierlei: Der Zuschuss ist subsidiär, er kommt also erst zum Zug, wenn kein anderer Träger vorrangig zuständig ist. Und die Pflegekasse entscheidet im Einzelfall. Welche Möbel als Teil einer Maßnahme gelten, legt das Gesetz nicht fest. Fragen Sie deshalb vor dem Umbau bei Ihrer Pflegekasse nach.
Wohnen Sie zur Miete, brauchen Sie für bauliche Veränderungen die Erlaubnis des Vermieters. Nach § 554 BGB können Mieter verlangen, dass der Vermieter bauliche Veränderungen erlaubt, die dem Gebrauch durch Menschen mit Behinderungen dienen, sofern ihm die Veränderung auch unter Würdigung der Interessen des Mieters zugemutet werden kann. Mehr dazu im Ratgeber Badmöbel in der Mietwohnung.
Passende Modelle
Hängende Modelle finden Sie unter hängende Waschtische, einzelne Becken für die Wandmontage bei den Waschbecken. Stauraum mit Schubladen und Fächern bieten die Hochschränke und Kommoden und Regale. Vergleichen Sie im Detailfenster Höhe und Tiefe. Welche Maße Sie vorher nehmen sollten, erklärt der Ratgeber Waschbeckenunterschrank: welche Maße passen?. Das Gesetz zitieren wir mit Stand vom Prüfdatum; maßgeblich ist der aktuelle Text auf gesetze-im-internet.de und die Auskunft Ihrer Pflegekasse.
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Häufige Fragen
Ist jeder hängende Waschtisch unterfahrbar?
Nein. Viele hängende Waschtische haben einen Unterschrank, der Beinfreiheit nimmt, und auch ein frei liegender Siphon kann stören. Unterfahrbar ist ein Waschtisch erst, wenn unter dem Becken genug Raum für die Knie bleibt.
Wer gilt als pflegebedürftig im Sinne des Zuschusses?
§ 40 Abs. 4 SGB XI spricht vom „Pflegebedürftigen“. Ob eine Person pflegebedürftig ist, stellt die Pflegekasse im Begutachtungsverfahren fest. Fragen Sie dort nach, bevor Sie einen Umbau planen.
Muss der Zuschuss vor dem Umbau beantragt werden?
Das Gesetz regelt in § 40 Abs. 4 SGB XI den Zuschuss selbst, nicht den genauen Ablauf des Antrags. Klären Sie mit Ihrer Pflegekasse, welche Unterlagen sie braucht und wann Sie den Antrag stellen sollten.
Rechtsstand . Die Angaben zu Gesetzen und Vorschriften haben wir an diesem Tag geprüft. Regeln können sich jederzeit ändern – maßgeblich ist immer die aktuell gültige Fassung, zum Beispiel hier im amtlichen Text.
